Willkommen bei der Tafel Frankenberg e.V.

Verteilen statt vernichten!

, Hoffmann Werner

Freundlichkeit ist bester Übersetzer

Ehrenamtliche setzen ihre Sprachbegabung bei der Tafel Frankenberg ein


Wünsche und Bedürfnisse zu verstehen, gezielt Lebensmittel auszuwählen und auf die Empfänger-Familien auszurichten - das ist für die ehrenamtlichen Hilfskräfte der Frankenberger Tafel nicht immer leicht. Schon weil ganz oft Sprachprobleme gibt: Von den derzeit versorgten 777 Personen in 290 Bedarfsgemeinschaften, darunter 315 Kinder, sprechen viele nicht deutsch. Der neue Ausgabetag Mittwoch ist deshalb ganz den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine gewidmet, und speziell dafür bekam der Tafelladen jetzt zwei ehrenamtliche Dolmetscher als Hilfe.

„Jeden Mittwoch kommen die Ukrainer, dann bin ich da“, sagt Mario Schmidt, pensionierter Berufssoldat mit langjähriger Spracherfahrung beim Eloka-Bataillon in Frankenberg. Schon an der Tür zum Tafelladen in der Auestraße 19 empfängt er die Kunden, und die Liste mit genau getakteten Terminen sagt ihm bereits, welche Familie gleich vor ihm stehen wird. Freundlich begrüßt er sie auf Russisch – das ist für alle die einfachste Sprachbrücke. Der 55-Jährige spricht daneben auch Englisch, Thailändisch und Jugoslawisch, aber nun ist Russisch gefragt.

„Ich will mich in einem sozialen Projekt einbringen, das für mich sinnvoll ist“, sagt Mario Schmidt. „Ich sehe in die Gesichter der Menschen vor mir, und weiß, dass wir ihnen hier helfen.“ Zwar hatte sich der sprachbegabte ehemalige Soldat auch dem Landkreis als Dolmetscher angeboten, aber „noch nicht mal eine Antwort bekommen“, wie er sagt. Er solle sich doch mal bewerben, wurde ihm an anderer Stelle gesagt. Für einen Freiwilligendienst! „Hier wusste ich: Ich werde gebraucht, und da habe ich sofort zugesagt.“

Friedhelm Vaupel, stellvertretender Vorsitzender des Tafel-Vereins und Koordinator im Laden, ist über diese Hilfe froh. „Wir betreuen derzeit 137 Personen aus der Ukraine. Noch weitere 100 stehen auf der Warteliste, obwohl wir sie schon vor fünf Wochen schließen mussten.“ Auch das müsse man ihnen verständlich erklären.

Bei Rosa Shapran, Leiterin der Sozialen Betreuung im Altenzentrum der Stiftung Hospital St. Elisabeth auf der Burg, stieß der Hilferuf der Frankenberger Tafel sofort auf ein offenes Ohr. Sie spricht nicht nur gut Russisch und strahlt dabei Fröhlichkeit aus, sondern hat auch während ihres Studiums an der Universität Marburg eine Bachelor-Arbeit zum Problem Lebensmittelverschwendung in unserer Gesellschaft geschrieben. „Dabei habe ich festgestellt, dass die Tafeln zu den besten Organisationen gehören, die die Weiterverwendung von ausgesonderten Lebensmitteln umsetzen“, berichtet die 32-Jährige. „Verteilen statt vernichten“, sei das Motto.

Aber es geht auch alles ganz ohne Worte. Ursula Naumann (Röddenau), die am Brotausgabe-Tisch des Tafelladens mitarbeitet, hat an der Wand Plakate mit Bildsymbolen hängen, auf denen die ausländischen Kunden ihre Wünsche anzeigen können. „Überhaupt ist Freundlichkeit die beste Übersetzerin“, hat Ursula Naumann festgestellt. „Es hilft schon ein Lächeln. Das sieht man trotz Schutzmaske auch immer an den Augen!“

HNA - Frankenberger Allgemeine vom 27.06.2022 Bericht und Foto: Karl-Hermann Völker